Bausparvertrag
Der Traum vom Eigenheim – nur mit Bausparvertrag möglich? | Foto: Unsplash/Geran de Klerk

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20. Mär 2017

Johannes Hülstrung

Geld & Finanzen

Bausparvertrag – noch nicht mal was für Spießer?

Das Image des Bausparvertrags

Das Image des Bausparvertrags gilt schon seit langem als angestaubt. Spätestens seit das kleine Mädchen 2004 in einer TV-Werbung der Landesbausparkasse (LBS) ihrem von Schauspieler Ingo Naujoks verkörperten Anarcho-Papa verkündete: "Wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden!", hat die Anlageform ihren Ruf weg.

Gerade unter Studenten sorgt das Wort "Bausparvertrag" nicht gerade für Ekstase. Und mal ehrlich: Wer mag schon den Kommilitonen, der sich mit Papis Bausparvertrag ein schickes Appartement kauft, während man selbst um einen Platz im Wohnheim bangt? Und nicht nur die elitäre Attitüde macht der Branche zu schaffen. Das größte Problem ist die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB); dazu später mehr.

Wie funktioniert Bausparen überhaupt?

Doch was genau verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff des Bausparvertrags? Laut Gabler-Wirtschaftslexikon ist er ein "Vertrag mit einer Bausparkasse, durch den der Bausparer nach Leistung von Einlagen einen Rechtsanspruch auf Gewährung eines Bauspardarlehens erwirkt". Verstanden?

Dabei ist es gar nicht so kompliziert: Wer einen Bausparvertrag abschließt, spart zunächst einige Jahre lang Geld an. Hat er etwa 40 bis 50 Prozent der vereinbarten Summe zusammen, bekommt er einen Kredit zu recht niedrigen Zinsen – da diese beim Abschluss festgelegt werden – und kann sich so den Traum vom Eigenheim erfüllen.

Der Trend: Es geht abwärts mit den Neuabschlüssen

Die Deutschen lassen sich durchaus als das Volk der Bausparer bezeichnen: 29,4 Millionen Verträge gibt es laut Statista, die Bausparsumme beträgt insgesamt 868 Milliarden Euro. Diese Zahlen täuschen allerdings darüber hinweg, dass das Bausparen zuletzt so unbeliebt war wie lange nicht mehr. Im Jahr 2015 gab es in der ganzen Branche nur 2,7 Millionen Neuabschlüsse. Das ist der niedrigste Wert überhaupt in der seit 2000 laufenden Statistik.

Noch 2003 waren es 4,9 Millionen gewesen. Solche Schwankungen wurden aber auch politisch gesteuert. Und Alexander Nothaft, Leiter Kommunikation des Verbandes der Privaten Bausparkassen (VdPB), betont: "Es gibt zwar weniger Neuabschlüsse, die Bausparsumme ist aber gestiegen." Tatsächlich: 99,4 Milliarden Euro waren die neuen Verträge 2015 wert, satte vier Milliarden mehr als im Vorjahr.

Wenig attraktiv durch geringe Zinsen

Trotzdem vertrauen insgesamt weniger Deutsche dem Bausparvertrag. Die Ursache ist klar: "Geringe Guthabenzinsen in der Ansparphase haben die Attraktivität stark reduziert", sagt Finanzexperte Stefan Adam von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Alexander Nothaft bestätigt: "Zur Zeit spüren wir eine deutliche Zurückhaltung der Kunden beim Abschluss neuer Sparverträge. Die Nullzinspolitik der EZB lässt grüßen."

In der Branche ist aktuell aber von einem Comeback des Bausparvertrags die Rede, seit sich die Hypothekenzinsen in den vergangenen Monaten wieder erhöht haben. "Wenn die Zinsen auch nur leicht anfangen zu steigen, wird das Motiv der Zinssicherheit natürlich wichtiger", sagt Nothaft. Experte Adam ist allerdings skeptisch.

Die Zielgruppe: Wohnungsbauprämie für junge Leute

Der Deutsche baut oder kauft im Schnitt mit 40 Jahren; mit Bausparvertrag drei Jahre früher. Doch auch die Jüngeren sind bereits im Visier der Bausparkassen. Der VdPB ist überzeugt: "60 Prozent der 14- bis 29-Jährigen träumen von den eigenen vier Wänden." Dieser Zielgruppe will der Staat mit einer Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent entgegenkommen. Sie gilt für alle ab 16, die zwischen 50 und 512 Euro im Jahr auf einen Bausparvertrag einzahlen und weniger als 25.600 Euro verdienen.

Die Wohnungsbauprämie ist also gerade für Studenten und sogar schon für Schüler interessant. Es gibt aber auch Gründe, mit dem Gang zur Bausparkasse bis nach dem Studium zu warten: "In einem Beschäftigungsverhältnis ist ein Bausparvertrag noch sinnvoller, weil dann die vermögenswirksamen Leistungen durch den Arbeitgeber hinzukommen", sagt Alexander Nothaft.

Die Alternativen zum Bausparen

Wann also sollte man im Idealfall mit dem Bausparen anfangen? Finanzexperte Stefan Adam wird deutlich: "Am besten gar nicht!" Alexander Nothaft sagt dazu: "Auch im Studium lässt sich bereits Eigenkapital aufbauen. Das muss aber nicht zwangsläufig über einen Bausparvertrag geschehen." Verbraucherschützer empfehlen etwa sogenannte Exchange Traded Funds (ETF), also Fonds, die eine Marktentwicklung nachahmen.

"Zum Sparen ist ein Tagesgeldkonto bei einer Direktbank besser geeignet als ein Bausparvertrag. Und zur Zinssicherung bei einer Finanzierung gibt es langlaufende Annuitätendarlehen", sagt auch Stefan Adam.

Das Urteil: Bausparkassen dürfen kündigen

Nach Alternativen zum Bausparvertrag suchen Sparer spätestens seit diesem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH): Bausparkassen dürfen Verträge kündigen, wenn die Kunden das Darlehen über zehn Jahre nicht abgerufen haben. Der einst festgeschriebene Zinssatz wurde für die Kassen zur wirtschaftlichen Belastung. Seit 2015 lösten sie daher etwa 250.000 Verträge auf. Betroffen sein können auch Studenten, deren Eltern schon vor langer Zeit einen Bausparvertrag für ihre Kinder abgeschlossen hatten und diesen als lukrative Sparanlage nutzten.

Der Verband der Privaten Bausparkassen zeigte sich erleichtert darüber, "bestätigt zu bekommen, dass die Kündigungen rechtmäßig erfolgt sind". Dennoch ist ihm die Angelegenheit unangenehm, womit wir wieder beim Thema Außenwirkung sind: "Die Kündigungen haben unser Image durchaus angekratzt", sagt Alexander Nothaft.

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