Autorenbild

26. Jun 2013

Kathrin Steinbichler

Archiv

Professor mit BBQ-Leidenschaft

-ARCHIV-

Mark Dolan ist in den USA als "BBQ-Pilger" berühmt

"Holz und Feuer – so hat alles angefangen"

Es braucht nicht viel, um Mark Dolan neugierig zu machen. Etwas Holz. Etwas Fleisch. Und Feuer natürlich. Sobald diese drei Dinge versammelt sind, passiert etwas. Etwas, das Mark Dolan "eines der frühesten Bedürfnisse des Menschen" nennt. "Feuer und Essen – so hat alles angefangen", sagt der 58-Jährige, "das Zusammensitzen ums Feuer war für die Menschen die beste Gelegenheit, um in der Gruppe zusammenzukommen."

Mark Dolan ist heute Professor für Foto-Journalismus und neue Medien an der Southern Illinois University, und es ist es jetzt acht Jahre her, dass er seine Faszination fürs Grillen entdeckte. Dolan war bis dahin viel herumgekommen, privat wie beruflich. Er hatte als Barkeeper gearbeitet und als Lastwagenfahrer, als Müllmann und als Wassermelonen-Pflücker, er hatte bei der Navy am Radargerät gesessen und auf sonnenverbrannten Ölfeldern das dunkle Gold gefördert. Dolan war schon immer neugierig, und so war er über ein spätes Studium mit 30 schließlich in den Journalismus gekommen. Als Fotoredakteur arbeitete Mark Dolan für Zeitungen in Florida, Alaska und Rhode Island, doch das genügte ihm nicht. Er absolvierte noch einen Master in Visueller und Interaktiver Kommunikation und gab sein Wissen acht Jahre lang als Professor an der Universität von Syracuse weiter. Doch dann kam Dolans 50. Geburtstag, und der sollte letztlich alles verändern. Oder besser: Intensivieren.

Für sein BBQ-Projekt schmiss er den Job und verkaufte sein Haus

"Mit 50", erzählt Mark Dolan, "bekam ich so etwas wie eine Midlife-Crisis. Ich spürte einfach, dass es Zeit war für eine Veränderung. Ich hatte Lust auf ein Projekt, also musste ich weg." Dolan verkaufte sein Haus und kündigte seine Professorenstelle, setzte sich ins Auto – und kam nicht mehr wieder. Anfangs wollte er nur seine Familie und Freunde besuchen, die er lange nicht mehr gesehen hatte, und nebenbei ein Fotoprojekt verfolgen. "Aber dann merkte ich, wie faszinierend und wie leidenschaftlich die Barbecue-Kultur in Amerika ist", sagt Dolan. Am Ende war er über zwei Jahre unterwegs, quer durch Amerika, immer dabei: seine Kamera und ein Aufnahmegerät. Denn Dolan hatte ein Projekt gefunden, das ihm erlaubte, die Fotografie und Audio-Elemente zu verbinden, ein Projekt, das nach dem einen Jahr, das er zunächst wegbleiben wollen, noch längst nicht zu Ende war. Ein Projekt, das ihn bis heute begleitet.

Mark Dolan wurde "der BBQ-Pilger". Dolan gründete eine Homepage www.bbqpilgrim.com, auf der er bis heute dokumentiert, was für ihn "amerikanische Gesellschaftskultur und Lebensstil" darstellt. Ob das private Grillen im Hinterhof oder auf der grünen Wiese, das gemeinsame Braten auf einem Fest oder die spezielle Geschichte eines Restaurants, das für sein Grillfleisch über die Grenzen der Stadt und manchmal auch des Staates bekannt ist – Dolan hält die Menschen dahinter fest, in Bild und Ton, und lässt sie so im Dokumentarstil erzählen von den Auswirkungen der Temperatur, den Vorlieben für Schwein oder Rind, den Geheimnissen ihrer Saucen und von der Notwendigkeit von gutem Holz. Vor allem aber erzählen die Menschen von sich, und das ist für Dolan das Wichtigste. Für die Recherchen und die Aufnahmen besucht Dolan die Orte und Menschen immer mehrmals, oft jeweils über mehrere Tage.

Was er dabei an Gewohnheiten und Geschichten gesammelt hat, "spornt mich an, immer mehr wissen zu wollen und selbst immer wieder Neues auszuprobieren". Nach seiner BBQ-Pilgerreise übernahm Dolan an der University of Southern Illinois wieder eine Journalismus-Professur, seit vergangenem Jahr ist er auch Vizepräsident der amerikanischen Pressefotografen-Vereinigung. Er lehrt seine Studenten jetzt, wie man gute Geschichten erzählt, wie man sie mit Hilfe von Fotos und Audio-Aufnahmen im Internet transportiert. Und manchmal, wenn die Zeit und die Stimmung gut sind, dann schmeißt er in seinem Garten auch für seine Studenten den Grill an.

Mark Dolans Tipp für ein gutes BBQ

"Gute Zutaten sind wichtig, und dazu gehört natürlich auch das Holz. In erster Linie muss es fest und trocken sein, klar, aber wer aromatisches Holz nimmt, kann auch seinem Fleisch ein Aroma geben. Ich persönlich nehme gerne das Holz von Apfelbäumen und vom Pecannussbaum, einer Walnusssorte, das duftet und gibt beim Rauchen einen schönen Geschmack ab. In Deutschland, habe ich gehört, wird gerne auch mal Huhn gegrillt, und da kann ich nur raten: Um eine knusprige Haut zu bekommen, darf die Hitze am Anfang nicht auf sich warten lassen. Eigentlich bin ich ja ein Fan von Slow Food, also nehme ich mir auch beim Grillen Zeit. Bei einem Huhn aber ist es wichtig, dass anfangs eine Hitze herrscht, die die Poren schließt und knusprig macht, und dann kann man es behutsam fertig grillen."

Rezept für eine "Chicken Wing Sauce"

  • eine halbe Flasche der jeweiligen Lieblingsgrillsauce (fertig aus dem Supermarkt)
  • eine halbe Flasche von einer scharfen, roten Sauce
  • eine kleine Dose Früchte oder Gelee (zum Beispiel Ananas, Pfirsich oder Cranberry)
  • je nach Belieben etwas Knoblauch, Jalapenos und Pfeffer

Alles zusammen in einen Mixer, gut durchmischen und dann in einem Topf erhitzen. Wenn die Sauce gut erwärmt ist, noch ein Stück Butter dazugeben, alles gut verrühren und abkühlen lassen. Anschließend die Wings zusammen mit der Sauce in einem großen Topf etwas durchmixen, sodass das Fleisch gut mit Sauce bedeckt ist.

Guten Appetit!

Artikel-Bewertung:

3.03 von 5 Sternen bei 114 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung: