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15. Mai 2015

Simon Sperl

Archiv

R – Gnadenlos hinter Gittern

-ARCHIV-

Das dänische Gefängnis-Drama gibt's ab sofort auf DVD und Blu-ray

Blutiger Alltag im Gefängnis

Der schmächtige, introvertierte Rune (Pilou Asbæk) muss für zwei Jahre in den Knast und landet ganz unten in der Hierarchie der harten Kerle. Von den trainierten und tätowierten Mitinsassen wird er schikaniert und gedemütigt wo es nur geht. Noch dazu wird er vom brutalen Mureren (Roland Møller) gezwungen, einen Libanesen aus einem anderen Trakt zu verprügeln. Denn nicht nur auf Runes Ebene herrscht eine strikte Rangordnung, sondern auch zwischen den einheimischen und arabischen Gefangenen existiert eine klare Trennung. Die Dänen organisieren illegale Rauschmittel und schmuggeln sie zu den Arabern, was jedoch nicht immer gelingt.

Als Rune für das Problem des Drogenschmuggelns eine Lösung findet, sieht er darin eine Möglichkeit, in der Hierarchie aufzusteigen. Gemeinsam mit seinem Arbeitskollegen aus der Küche, dem zweiten "R" Rashid (Dulifikar Al-Jabouri), schafft er es, den Stoff zu vertreiben. Auch wenn Rune nun auf seiner Etage an Ansehen gewinnt, missfällt anderen sein Aufstieg…

Harte und authentische Knastszenen

Mit "R – Gnadenlos hinter Gittern" legten die beiden Regisseure Tobias Lindholm und Michael Noer im Jahr 2010 ein erfolgreiches Spielfilm-Debüt hin. So gewann der Film den dänischen Filmpreis "Robert" – den dänischen Oscar – gleich in acht Kategorien, u.a. als bester dänischer Film,  für die beste Regie und den besten Hauptdarsteller. Und das nicht zu Unrecht, den Vergleich mit Größen aus dem Genre der Gefängnisfilme wie "Ein Prophet" muss er nicht scheuen.

Pilou Asbæk ("Borgen – Gefährliche Seilschaften"), übrigens der einzige professionelle Schauspieler im Film, spielt das Opfer sehr überzeugend. Alle anderen Rollen wurden an Laiendarsteller, ehemalige Gefängnisinsassen und Wärter, vergeben, um den Film realistischer wirken zu lassen. Doch nicht nur aus diesem Grund funktioniert "R". Die Handkameraoptik, die dreckige Knastatmosphäre, der sparsame Einsatz von Musik und die reduzierten Dialoge sorgen für ein beständiges Gefühl der Bedrohung.

Dabei sind die expliziten Gewaltszenen sogar in der Minderzahl, auch wenn es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Häftlingen kommt. Viel schlimmer als die physische ist die psychische Gewalt und das Wissen, dass Gewalt wie selbstverständlich vorhanden ist und jeder Zeit losbrechen kann. Da stellt sich die Frage: Ist das wirklich eine realistische Darstellung des Gefängnisalltages? Zumindest in Dänemark führte der Film zu einer Diskussion über die Verhältnisse in den Justizvollzugsanstalten. Auch, weil Lindholm für den Film in Haftanstalten recherchierte.

Trotz des Spiels mit dem Klischee der muskelbepackten, tätowierten, drogendealenden Gefangenen wird deren Handeln weder romantisiert noch heroisiert. "R – Gnadenlos hinter Gittern" ist ein authentisches Gefängnis-Drama, ein düsteres Kammerspiel auf engstem Raum mit einem überraschenden Ende – so viel sei verraten.



UNICUM Filmtipp

R – Gnadenlos hinter Gittern

Gefängnis-Drama, Dänemark 2010

Regie: Tobias Lindholm & Michael Noe

Darsteller u. a.: Pilou Asbæk, Dulifikar Al Jabouri, Roland Møller

FSK: Ab 18 

Verleih: MFA+ FilmDistribution

VÖ: 19. Mai 2015

Online bestellen (Amazon): R – Gnadenlos hinter Gittern

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2.94 von 5 Sternen bei 110 Bewertungen.

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