Branch Campus
Palmen an der TU Berlin? Am Campus El Gouna in Ägypten schon! | Foto: (c) ZIEG
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15. Mai 2018

Sebastian Wolking

Uni-Orga

Branch Campus: Das Filialgeschäft der Universitäten

Uni-Franchise: ein King's-College in Dresden?

Im Sommer 2017 hatte das renommierte Londoner King’s College für Aufsehen gesorgt. Man könne sich vorstellen, hieß es, einen Campus in Dresden zu eröffnen. Die Vorteile: Die Briten könnten möglicherweise auch nach dem Brexit an Fördergelder der EU kommen. Der Austausch von Wissenschaftlern und Studierenden wäre einfacher. Immerhin gibt es schon heute eine enge Verbindung zur TU Dresden. Im Transcampus-Projekt führen beide gemeinsame Forschungsprojekte durch, forcieren Wissenstransfers.

Branch Campus seit den 90ern im Kommen

Im Fachsprech heißt der Ableger einer Uni im Ausland "Branch Campus". Das Phänomen ist relativ neu, gewann vor allem in den 90er Jahren aufgrund des GATS-Abkommens der WTO an Fahrt. Zuletzt expandierten russische Unis in die ehemaligen Sowjetrepubliken, auch Indien, China und Malaysia treten mittlerweile als Exporteure auf. Treibende Kräfte aber sind die angelsächsischen Unis. "In Großbritannien sieht man darin vor allem ein Geschäftsmodell: Bildungsexport, um Geld zu verdienen", sagt Ernst Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen.

Geld durch Bildungsexport – den Briten gefällt das

Dutzendfach eröffnen Briten Ableger in Fernost und am Persischen Golf, um sich den Zugang zur wachsenden Ober- und Mittelschicht Asiens zu verschaffen. So ist die Uni Nottingham in China und Malaysia vertreten. Die Uni Exeter hat einen Campus in Dubai, die Uni Bradford ebenfalls, zuletzt eröffnete hier die Uni Birmingham im Februar 2018 eine Außenstelle. Kosten für ein Studium: umgerechnet zwischen 11.000 und 24.000 Euro pro Jahr.


Beispiele für deutsche Unis im Ausland


Staatliche Finanzspritze trotz hoher Studiengebühren

"Für deutschsprachige Universitäten gibt es dagegen keinen Markt", meint Schmachtenberg. Die Aachener sind eine von wenigen deutschen Universitäten, die ebenfalls den Sprung ins Ausland gewagt haben. An der German University of Technology in Oman unterrichten vor allem englische Muttersprachler, die Unterrichtssprache ist Englisch. "Lediglich das technische Curriculum hat ein deutsches Profil", so Schmachtenberg. Die Studiengebühren sind hoch, können die Kosten aber trotzdem nicht ganz decken. Das finanzielle Defizit trage der omanische Staat, gibt der Rektor offen zu, sonst wäre der Betrieb nicht möglich.

230 Uni-Filialen weltweit

Insgesamt gibt es weltweit rund 230 Branch Campus, das ist angesichts von 18.000 Universitäten nicht sonderlich viel. Gar nicht auf der Liste findet man Namen wie Oxford oder Cambridge, Harvard und Stanford. "Die ganz renommierten Unis haben das nicht nötig", sagt Anna Kosmützky von der Uni Hannover, die seit Jahren zu dem Thema forscht. "Sie schützen ihre Marke." Auch geben viele Zweigstellen nach kurzer Zeit wieder auf, zu instabil die Bedingungen oftmals vor Ort. Trotz allem wächst ihre Zahl. "Die Entwicklung vollzieht sich in Wellen", so Kosmützky. Gut möglich, dass auch der Brexit eine solche Welle auslöst oder verstärkt.

Harvard und Co. haben es nicht nötig

Die deutsche Kostenloskultur dürfte es britischen Unis allerdings schwer machen, hierzulande auf eine spendierfreudige Klientel zu treffen. Die Eliten dieser Welt werden ihre Kinder wohl weiterhin auf die sündhaft teuren Eliteunis nach England, Amerika, Hongkong oder Singapur schicken. Andererseits wäre für junge Chinesen und Inder – oder Deutsche – ja auch folgendes Szenario denkbar: Sie studieren am King’s College in Dresden, leben günstig in Sachsen, dürfen sich aber mit einem offiziellen Abschluss der Briten schmücken – ohne, dass den Unternehmen das geographische Detail hinterher auffällt. Das ist selbstverständlich reine Spekulation und Spinnerei. Aber das war der Brexit am Anfang ja auch.

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