Schreiben ohne Hemmungen
Ein wenig Ablenkung kann den Schreibprozess beflügeln | Foto: Thinkstock/anyaberkut
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04. Jul 2014

UNICUM Onlineredaktion

Schreibwerkstatt

Schreibwerkstatt Teil 1: Schreiben ohne Hemmungen

Der Schreibprozess

Schreiben ist keine Kunst, sondern ein Prozess. Das heißt: Niemand braucht (und kann) auf Knopfdruck einen fertigen Text produzieren. Gute Texte purzeln nicht aus dem Computer, sondern sind das Ergebnis mehrerer Arbeitsphasen. Im wahrsten Sinn des Wortes "Step by Step" kommt man seinem Ziel näher. Am Anfang steht der Gedanke: Oftmals beginnt der Schreibprozess im Kopf oder im Bauch – wir gehen mit Ideen schwanger.

Es folgt – je nach Text – eine Phase der Informationssuche, der Recherche; hier wird das Textprojekt greifbarer. Anschließend bekommt das Ganze eine (grobe und veränderbare) Struktur. Materialsichtung und Konzeption fallen in diesen Arbeitsabschnitt. Langsam kann man die Frage beantworten, was für den Text wichtig ist und was nicht. Der Text erhält ein Gerüst. Damit man nicht unter Druck gerät, sollte nun auch ein Zeitplan erstellt werden. Jetzt geht's ans Schreiben!

Alles, was man sich bisher zu seinem Thema erarbeitet hat, wandert nun in einen roten Faden, wird aber hier und da noch angepasst. Die Inhalte nehmen Form an – aber nichts muss jetzt perfekt sein! Es geht um eine erste, nicht druckreife, Rohfassung. Dank des Computers sind spätere Änderungen ja kein Problem.

Anschließend kommt das Geschriebene auf den Prüfstand, hier wird er auch mit den Augen des Lesers und der Leserin gesehen. Wo spricht das Geschriebene die Adressaten an, was muss geändert werden? An der ersten Textfassung wird gefeilt, bis sie rund und stimmig ist. Die Gliederung dient als und Logik werden geprüft, ebenso Lesefreundlichkeit, Verständlichkeit, Satzbau und Wortwahl. Spätestens in dieser Phase ist es gut, sich Feedback einzuholen. Denn jemand, der nicht im Thema steckt, liest den Text völlig unvoreingenommen und kann hilfreiche Hinweise geben.

Zu guter Letzt heißt es korrigieren. Im Grunde ist der Text fertig, jetzt fehlt nur noch der letzte Schliff. Es geht dem Fehlerteufel an den Kragen. Das heißt: Rechtschreib- und Grammatikfehler und Fehler in der Zeichensetzung sollten verbannt werden. Im Zweifel den Text noch einmal gegenlesen lassen. In der Realität können sich die einzelnen Phasen überlappen, oder der eine oder andere Schritt fällt ganz kurz aus. Auch ist der Schreibprozess keine Einbahnstraße - zurückgehen ist durchaus erlaubt. Gerade bei längeren Texten lohnt es sich, allen Phasen Zeit einzuräumen.

Die Schreibblockaden

In jeder Arbeitsphase kann es passieren, dass sich eine Schreibhürde in den Weg stellt. So kurios es sich anhören mag: Hier hilft vor allem eines: sie schreibend zu überspringen. Natürlich nicht an dem Punkt, an dem man feststeckt. Hilfreicher ist es, sich einer anderen Aufgabe zu widmen, zum Beispiel einem anderen Kapitel.

Wenn gar nichts mehr geht, wirkt eine andere (nicht-wissenschaftliche) Textgattung oft Wunder. Wie wäre es zum Beispiel, über die Schreibhemmung zu schreiben – vielleicht sogar in der "Ich-Form", nach dem Motto "Ich bin die Schreibhemmung von XY", gerne auch gereimt. Oder einen Dialog mit dem "Inneren Kritiker" verfassen, oder einen Brief, in dem man eben jenen kräftig anmeckert.

Eine gute Methode ist das so genannte Freewriting, auch "Automatisches Schreiben" genannt. Dabei schreibt man am besten mit der Hand, ohne nachzudenken, zehn Minuten am Stück – keine Pause machen, der Stift wird nicht abgesetzt! Sollte einem nichts mehr einfallen, so schreibt man die Frage "Was noch?" oder wiederholt das letzte Wort, und zwar so lange, bis die Sätze wieder aus der Feder fließen. Sollten extrem störende Gedanken das Schreiben durchkreuzen, so kann man sie auf einem zweiten Blatt notieren.

Wichtig: Das Geschriebene wird weder gelesen noch korrigiert, es wird nur "nach vorne" geschrieben. Freewriting kann auch gut ein morgendliches Ritual werden, um in den Schreibfluss zu kommen. Sich in dieser Form nach dem Frühstück (oder wann es auch immer stressfrei unterzubringen ist) warm zu schreiben, nimmt dem Schreiben nicht nur jeden Schrecken, sondern macht auch Spaß!

Wissenschaftlich ausgedrückt, gibt es letztlich zwei grundlegende Schreibmuster: "top-down" oder "bottom-up". Top-down-Schreibende basteln erst eine Gliederung, an der sie sich beim Schreiben orientieren. Bottom-up-Schreibende hingegen kommen übers Schreiben zur Textstruktur.

 

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