Doktortitel erwerben
Lohnt sich der Aufwand einer Doktorarbeit überhaupt noch? | Foto: Thinkstock/g-stockstudio

Promotion

03.03.2015

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Im Vergleich: Promotion an der Uni und im Unternehmen

Unterschiedliche Wege zum Doktortitel

Du willst auf deinen Master noch einen Doktortitel draufsetzen, bist dir aber nicht sicher, ob du dafür an der Uni bleiben oder in einem Unternehmen promovieren willst? D ... mehr »

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01. Feb 2016

André Gärisch

Promotion

Doktortitel: Besser verschweigen!?

Die Promotion als Stolperfalle für die Karriere

Doktortitel zwischen Vertrauen und Distanz

Politiker tun es, um ein volksnahes Image aufrechtzuerhalten. Kreative tun es, um nicht als "verkopft" wahrgenommen zu werden. Prädikatsabsolventen tun es, um nicht in die Schublade der Überqualifikation gesteckt zu werden. Sie alle verbergen bewusst Abschlüsse oder Titel, um ein persönliches Ziel zu erreichen. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Strategie drängt sich jedoch auf.

Prof. Dr. Winfried Bausback bekleidet aktuell das Amt des Justizministers in Bayern. Vor seiner Berufung lehrte er an der Bergischen Universität Wuppertal Wirtschafts- und Öffentliches Recht. Der Aschaffenburger betont den Stellenwert eines positiven, bürgernahen Images für seine Berufssparte: "Politik ist schon immer untrennbar mit Wirken in der Öffentlichkeit verbunden. Titel weisen auf eine gewisse Expertise hin. Sachkunde kann Vertrauen erzeugen. Gleichzeitig können Titel aber auch eine gewisse Distanz schaffen, die sowohl positiv als auch negativ aufgefasst werden kann."

Er selbst habe das Erwähnen seiner akademischen Würden nie einheitlich gehandhabt. Vielmehr mache er es von der konkreten Situation abhängig. Andere Spitzenpolitiker verbergen ganz bewusst ihre Qualifikation - so wird etwa auf Wahlplakaten oder in Talkshows nur selten ein "Dr." oder "Prof." angehängt. Schließlich soll sich auch Lieschen Müller mit (Dr.) Angela Merkel oder (Dr.) Thomas de Maizière identifizieren können.


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Marc Wiegand, Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF, setzt sich mit der Frage auseinander, ob ein Doktortitel auch direkt ein höheres Gehalt mit sich bringt. Seine Antwort wird euch überraschen. Lest mehr im UNICUM Karriere-Kompass!


Geistes- und Sozialwissenschaftler häufig überqualifiziert

Dass nicht nur Politiker dazu tendieren, fachliche Errungenschaften zu "verstecken", zeigt sich anhand eines Blicks in Online-Bewerbungsforen. Dort eröffnen User Threads wie "Kann mir der Doktortitel schaden?" oder "Promotion verschweigen und später offenbaren?". Matthias Neis von der Gewerkschaft Ver.di bestätigt die bewusste Verschleierung von Doktortiteln insbesondere für Bewerbungen auf Einstiegsstellen. Wieso?

Die Verfasser befürchten, sie würden als überqualifiziert wahrgenommen; als Personen mit horrenden Gehaltsforderungen, allzu selbstbewusstem Auftreten und geringer Formbarkeit. Sie gingen zu Beginn des Promotionsstudiums von einer sinnvollen Zusatzqualifikation aus - bis sie sich auf dem Bewerbermarkt behaupten mussten. Die Folge: Verzweiflung und Unsicherheit.

Laut der Bildungsforscherin Dr. Andrea Diem seien Absolventen geistes- und sozialwissenschaftlicher Studiengänge besonders oft von Überqualifikation betroffen, da dort Promotionsprojekte in der Regel wenig berufsspezifisch und praxisrelevant ausgerichtet seien. Da es zu ihrem Know-how-Profil keine adäquaten Jobs gibt, sind sie gezwungen, sich auf "Kompromiss-Stellen" zu bewerben, etwa auf Quereinsteiger-Positionen oder einfach auf Stellen, für die keine Promotion, sondern "nur" ein Bachelor und eine Menge Praxiserfahrung benötigt werden, z.B. in Werbe- oder Presseagenturen. Auf der anderen Seite sind anspruchsvolle Stellen zu besetzen, für die sich ein Titel definitiv auszahlt. So haben promovierte Physiker, Chemiker oder Ärzte kaum Probleme, einen attraktiven Job zu erhalten, da diese als Spezialisten gefragt sind.

"Doktortitel nicht an die große Glocke hängen"

Nicht zu bestreiten ist, dass in der Praxis gegenüber Promovierten Vorurteile bestehen. Trotzdem plädiert Diem für eine differenziertere Betrachtung: "Die Medien transportieren immer, dass Promovierte als 'Theoretiker' abgestempelt werden. Meine Vermutung ist aber, dass Arbeitgeber nicht uninteressiert sind, Leute einzustellen, die eine höhere Bildung aufweisen, als es notwendig ist." Hinzukommen Aspekte wie Durchhaltewille, strukturiertes, selbstständiges Arbeiten sowie Organisations- und Planungstalent, die Promovierte auszeichnen.

Die Strategie, den Doktortitel zu verschleiern, erscheint auch deswegen nicht erfolgversprechend, da es einer großen Kunst und Anstrengung bedarf, diesen über Jahre hinweg gänzlich zu verbergen. Wird "der Doktor" "sichtbar", so ist das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und -nehmer zerstört. Sinnvoll ist es daher, den Titel zwar zu erwähnen, ihn aber nicht "an die große Glocke" zu hängen. Vielmehr sollte sachlich und konkret der Nutzen der Weiterqualifizierung für das Unternehmen und die jeweilige Stelle aufgezeigt werden.

Generell, so Diem, sei es wichtig, schon vor der Wahl eines (Promotions-)Studiums darauf zu achten, welche Qualifikationen der Wunschberuf erfordert, sodass Probleme der Überqualifikation gar nicht erst auftauchen: "Sollte der Bildungsdrang extrem stark sein, muss man eben abwägen - dann darf man später aber auch nicht erstaunt sein, wenn es auf dem Arbeitsmarkt etwas schwieriger wird."


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