Promotionsstudium
Wer promovieren will, sollte die Möglichkeiten gut gegeneinander abwägen | Foto: Thinkstock/Gajus
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03. Mär 2015

Denise Haberger

Promotion

Im Vergleich: Promotion an der Uni und im Unternehmen

Unterschiedliche Wege zum Doktortitel

Promovieren in der Wissenschaft

VorteilNähe zur Wissenschaft

Ideal ist eine Anstellung beim Doktorvater oder bei der Doktormutter. Im besten Fall wird man dann regelmäßig betreut. "Doktoranden werden so auch in Forschungsteams eingebunden und können sich zu Forschungsthemen austauschen", erklärt Anna Tschaut, Vorsitzende des Doktoranden-Netzwerks Thesis. Auch sei am Lehrstuhl die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Promovenden gegeben.

VorteilWissenschaftliches Profil schärfen

Doktoranden sammeln Erfahrungen in der Lehre, in der Projektarbeit und in der Drittmittelakquise. Auch erste Publikationen sind realistisch.

NachteilFehlende Praxis

"Arbeitgeber in der Wirtschaft werten die Promotion oft als Qualifizierungsphase, nicht als Berufserfahrung", weiß Ute Heinze von Kisswin, einer Kommunikations- und Informationsplattform für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Zwar würden Führungspositionen mit Promovierten besetzt, beim Jobeinstieg bringe der Doktortitel aber nicht automatisch Vorteile.

NachteilUnsichere Arbeitsverhältnisse

Wer Pech hat, findet keine Anstellung für die Dauer der Promotion oder bekommt ein Stipendium. Dann hangeln sich Doktoranden von einem Kurzprojekt zum nächsten.

NachteilSchlechter Verdienst

Wer das Glück hatte, überhaupt eine Anstellung oder ein Stipendium zu bekommen, hat aber nicht automatisch viel Geld auf dem Konto. Oft haben wissenschaftliche Mitarbeiter nur halbe Stellen. Auch Promotionsstipendiaten bekommen nicht gerade das große Geld, müssen sich zudem noch selber krankenversichern und erwerben für die Zeit keine Rentenansprüche.

NachteilUnsichere Karriereaussichten

Wer in Deutschland eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, sollte mit mangelnder Planbarkeit klarkommen. Denn im sogenannten akademischen Mittelbau gibt es kaum unbefristete Stellen und Professuren gibt es vergleichsweise wenig.


Promovieren in der Wirtschaft

VorteilGute Chancen

Wer in einem Unternehmen promoviert, sammelt gleichzeitig Berufserfahrung. Nicht selten haben Industrie-Doktoranden gute Karten, übernommen zu werden.

VorteilAngewandte Forschung:

"Es gibt eine klare Zielsetzung welches Problem mit der eigenen Forschung gelöst werden soll", weiß Anna Tschaut. "Häufig werden die Ergebnisse auch in die Praxis umgesetzt, man hat also einen direkten 'Abnehmer' der eigenen Forschungsleistung."

VorteilMehr Geld

In den meisten Fällen ist das Einkommen deutlich höher als Stipendien oder das Gehalt eines wissenschaftlichen Mitarbeiters.

NachteilWenig Anschluss zur Uni

Externe Promovierende können es schwerer haben, sich mit ihren Betreuungspersonen an der Hochschule abzustimmen. Wer in seinem Unternehmen kein entsprechendes Netzwerk hat, dem fehlt auch der Austausch mit anderen Doktoranden. Ihnen mangelt es außerdem an Erfahrung in Sachen Lehre und Drittmitteleinwerbung.

NachteilHohe Arbeitsbelastung

"Oft handelt es sich um einen Fulltime-Job mit der Dissertation on top", sagt Ute Heinze. Ob und in welchem Umfang Doktoranden für ihre Promotion freigestellt werden, hänge stark vom Unternehmen ab.

NachteilInteressenkonflikte

Bei Themenwahl und weiteren Entscheidungen für die Forschung sind Industriedoktoranden laut Anna Tschaut oft an das gebunden, was ihre Arbeitgeber wollen. Ute Heinze spricht von einem "Drahtseilakt": "Die Wissenschaft verlangt von ihnen, theoretisch zu arbeiten und in die Tiefe zu gehen. Der Arbeitgeber will praxis- und produktorientierte Forschung." In einigen Fällen unterliegen die Ergebnisse der Geheimhaltung. "Doktoranden müssen mit dem Unternehmen daher unbedingt vorher schriftlich vereinbaren, welche Teile der Arbeit veröffentlicht werden dürfen", so Heinze.


Erfahrungsberichte aus dem Promotionsstudium

  • Matthias Warkus entschied sich aus fachlichen Gründen für eine Dissertation, die er im vergangenen Jahr abschloss. "Ich wollte nach meinem Philosophiestudium mein Wissen vertiefen", so der 33-Jährige. Aufgrund eines Stipendiums habe er den Luxus gehabt, sich Vollzeit mit seiner Doktorarbeit beschäftigen zu können. "Zuvor hatte ich eine halbe Stelle als Softwareentwickler am Rechenzentrum der Uni, was unheimlich abgelenkt hat", sagt Matthias Warkus. Am Institut seiner Doktormutter an der Uni Marburg zu promovieren bereut er keine Sekunde: "Ich konnte dort wissenschaftlich von A bis Z alles so machen, wie ich wollte."
     
  • Anika Stephan promoviert seit zwei Jahren bei BMW zum Thema Innovationsmanagement. "Die Möglichkeit, wissenschaftlich zu arbeiten und gleichzeitig erste Berufserfahrung zu sammeln, hat mich überzeugt", sagt die 31-Jährige. Bei dem Automobilkonzern ist sie eine von 200 Doktoranden im unternehmenseigenen Programm. Aufgrund des guten Netzwerks könne sie sich regelmäßig mit den anderen austauschen, so Anika Stephan. Ein großer Vorteil sei auch der direkte Kontakt zu den Fachabteilungen: "Dadurch komme ich leichter an Daten und Interviewpartner heran."

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